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Fair Trade Schokolade

Es ist nicht alles Gold, was eine Fairtrade Marke hat... oder doch? Unser Schokoholiker und Blogger Sebastian Kobylak geht der Sache wieder auf den Grund. Worauf man achten soll beim Kauf einer sogenannten Fairtrade Schokolade und viel mehr erfahren Sie in unserem Schokoladen Blog!

Fairer Handel und Schokolade – eine gutgeheißene Symbiose


Seit dem Jahrtausendwechsel erlebt fair gehandelter Kakao bzw. daraus hergestellte Schokolade einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung. Alleine in den letzten zehn Jahren ist die Nachfrage nach nachhaltig und sozial hergestellten Lebensmittelerzeugnissen um das Achtfache angestiegen. In Bezug auf Fairtrade-zertifizierte Schokolade hat sich der Absatzmarkt im letzten Jahrzehnt weit mehr als verdoppelt. Im Jahr 2014 hat sich im Vergleich zum Vorjahr das Kaufinteresse nochmals um gut 14 Prozent erhöht. Immer mehr Schokoladenhersteller steigen deshalb auf Fairtrade-Kakao um.

Die Idee dahinter ist zwar gut gemeint. Nur leider missbrauchen insbesondere die nicht bean-to-bar produzierenden Großbetriebe die moralischen Werte vor allem für ihre eigenen Marketingzwecke viel zu sehr, weil sie sich dadurch größere Umsätze erhoffen. Inzwischen sind zum Beispiel in den Supermärkten und Discountern nahezu alle Schokoladenprodukte unterschiedlicher namhafter Markenhersteller mit dem umstrittenen UTZ-Siegel versehen, das eine nachhaltigere sowie transparentere Landwirtschaft fördern soll. Wenn jedoch eine Tafel Milch- oder Bitterschokolade von den Discounter-Eigenmarken lediglich 39 Cent kostet, so liegt es klar auf der Hand, dass die Kakaobauern nicht höher entlohnt werden als üblich. Allerdings werden beim UTZ-Zertifikat im Gegensatz zum Fairtrade-Siegel keine Mindestverkaufspreise festgelegt und daher kann man solche Produkte keineswegs für „fair“ erachten.Problematisch ist auch, dass der Begriff „fair“ zum Beispiel im Vergleich zum Bio-Label kein geschützter Begriff ist. Somit bleibt ebenso bei den etwas höheren Tafelpreisen von etwa 1 bis 1,5 Euro fragwürdig, wie ehrlich überhaupt die eigens von Aldi, Lidl, Rewe & Co. geschaffenen Fairtrade-Siegel sind. Kritiker greifen wohl zurecht den auf Massenkonsum stark standardisierten Fairen Handel bei den Discounter- und Supermarkt-Schokoladen an, weil die Händler davon maßgeblich mehr profitieren als die Produzenten der Dritten Welt. Keinesfalls kann in diesem Fall von einer Partnerschaft auf Augenhöhe die Rede sein, geschweige denn die Firmen handeln aus Überzeugung. Vielmehr steht eine Imageaufpolierung und Profitsteigerung beim Großteil der Unternehmen im Vordergrund.

Es gibt aber auch glaubhafte Unternehmen und Organisationen, die die Kriterien des Fairen Handels voll und ganz in jeder Hinsicht befürworten und praktizieren. In den letzten Jahren verschreiben sich nämlich weltweit immer mehr mutige Menschen einer kompromisslos ethisch und nachhaltig korrekt funktionierenden Schokoladenproduktion, bei der beide Parteien partnerschaftlich zusammenarbeiten und sich gegenseitig fördern und fordern. Als Endergebnis ernten sie mit qualitativ hochwertigem Kakao die Früchte ihrer Arbeit.



Kriterien des Fairen Handels

Welche Ziele verfolgt der authentische Faire Handel speziell im Hinblick auf den Kakaoanbau? Generell möchte man die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kakaobauern durch bessere Handelsbedingungen insoweit verbessern, dass ihnen ein respektables Existenzminimum gewährleistet wird. Denn der schwankende Weltmarktpreis für Kakao führt zur Verarmung der Bauern, die folglich unter elendsten Bedingungen leben müssen.

Das Prinzip beruht auf drei Hauptpfeilern, die ökonomische, soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen. Unabhängig von den stark schwankenden Kakaopreisen auf dem Weltmarkt legt man daher garantierte und respektable Mindestpreise fest. Zwischenhändler werden sowieso ausgeschaltet. Aktuell zahlt Fairtrade pro Tonne Kakao 2000 $. Hinzu kommt noch eine Fairtrade-Prämie von 200 $ sowie häufig ein finanzieller Bio-Zuschlag. Übertrifft der Weltmarktpreis den Fairtrade-Mindestpreis, wird den Erzeugern entsprechend auch der neue höhere Betrag gezahlt.Das sind aber nur die international vereinbarten Mindeststandards. Diejenigen, die sich voller Überzeugung für fairen Kakaohandel einsetzen, gehen ohnehin weit über die allgemeinen Mindestkriterien hinaus. Sie leisten in dieser Hinsicht dementspreched einen deutlich höheren Beitrag in ökonomischen, sozialen und ökologischen Fragen. Im Gegenzug belohnen die zufriedenen und motivierten Kleinbauern die Schokoladenhersteller mit bestmöglichen Kakaobohnen.

Der Trend zu fairtrade-zertifizierter Schokolade ist ersichtlich. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal, in vielen Fällen aber noch immer ungenügend. Denn die Wertschöpfungskette ist oft nicht nachvollziehbar und die Produktionskette kann nicht oder nur teilweise zurückverfolgt werden. Die höheren Fairtrade-bedingten Preise kommen noch viel zu wenig bei den Hauptakteuren - den Kakaobauern – an. Aber nicht alle Fairtrade-Unternehmen sind gleich gestrickt.

Unter ihnen nimmt Gepa als Pionier in diesem Sektor neben wenigen anderen seriösen Unternehmen wie El Puente, Original Food, dwp usw. ohne Zweifel eine Sonderstellung ein. Weit über die Fairtrade-Mindeststandards hinaus werden die Kakaobauern bezahlt. Auch im Hinblick auf diverse soziale, beraterische und ökologische Projekte wird eine partnerschaftlich-faire Handelsbeziehung angestrebt. Nicht ohne Grund wird Gepa für ihre Bemühungen regelmäßig mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Es geht aber noch besser. Denn Gepa bezahlt die kleinbäuerlichen Familienbetriebe nicht direkt. Diese schließen sich in der Regel zu Bauernkooperativen zusammen und erhalten so ihren Anteil über die Genossenschaft, je nachdem wieviel Kakao sie geliefert haben. Zudem steht trotz den hohen Qualitätsanforderungen von Gepa mehr der faire Handel im Vordergrund als die Auswahl von besonders aromatischen Kakaobohnen, wobei deren kürzlich initiiertes Kakaoprojekt mit einer Kleinbauernkooperative auf der westafrikanischen Insel Sao Tomé besonders aufwendig und vorbildlich ist und daher eine Sonderstellung einnimmt.



Bean-to-Bar: Zusammenarbeit zwischen Bauern und Chocolatiers

Eine bessere Alternative ist der Direkteinkauf des Kakaos durch die Chocolatiers im persönlichen Kontakt mit den Kakaobauern. Weil direkt eingekaufter Kakao auf einem gegenseitigen Vertrauens- und Freundschaftsverhältnis beruht, sind die Zertifizierungskosten für das Fairtrade- oder Bio-Siegel oft nicht notwendig. Diese Kosten entfallen und im Gegenzug dazu werden die Kakaoerzeuger besser bezahlt. Bauern, die Edelkakaosorten anbauen, erhalten dann oft durchschnittlich das Doppelte bis Vierfache des Fairtrade-Preises. Es handelt sich dabei neben geschäftlichen Beziehungen mit einzelnen Bauern zwar auch um Partnerschaften mit Kooperativen, allerdings auf einem deutlich höheren Niveau als der Faire Handel vorschreibt. Die meisten Bean-to-Bar produzierenden Schokoladenhersteller, insbesondere die kleineren Betriebe, engagieren sich für eine ausgesprochen gute Zusammenarbeit.

Besonders in den letzten zehn Jahren hat sich die Bean-to-Bar-Bewegung stark entwickelt, wobei man vor allem in den Vereinigten Staaten diese Marktlücke erkannt hat und immer mehr junge US-Manufakturen qualitätsmäßig und moralisch den europäischen Traditionschocolatiers in nichts mehr nachstehen. Inzwischen gibt es in Nordamerika mehr als 50 solcher kleinen Hersteller. Aber auch in Europa, der eigentlichen Wiege der Schokoladenkunst, gibt es eine Reihe vorbildlicher Traditionsunternehmen, die großen Wert auf eine ethisch vertretbare und direkte Kooperation mit den Kakaobauern legen. Alle zu nennen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, zu den bedeutendsten und einflussreichsten europäischen Vorzeigechocolatiers gehören jedoch zweifellos die Franzosen Stéphane Bonnat und Franck Morin, die Belgier Pierre Marcolini und Benoit Nihant, der Österreicher Josef Zotter, der Brite Duffy Sheardown, der Italiener Gianluca Franzoni, der Däne Mikkel Friis-Holm oder der Deutsche Oliver Coppeneur. Aus der Schweiz ist in dieser Hinsicht besonders die exquisite und auf Fremdherstellung spezialisierte Kleinfabrik Felchlin hervorzuheben. Unter anderem lässt das stark naturschutzorientierte und für seine hervorragenden Schokoladen bekannte Unternehmen Original Beans in dem schweizerischen Kleinbetrieb seine Tafeln fertigen. Gleichwertige nordamerikanische Stellvertreter wären zum Beispiel Art Pollard aus Utah, Todd Masonis aus Kalifornien, das Duo Dustin Taylor und Adam Dick ebenso aus dem Sonnenstaat oder Colin Gasko aus Minnesota.Regelmäßige Reisen zu den Kakaoanbaugebieten sind für diejenigen Chocolatiers, die auf eine hohe Qualität ihrer Kakaobohnen achten, selbstverständlich und unumgänglich zugleich. Entweder möchte man so bereits bestehende Partnerschaften, die gut harmonieren, aufrechterhalten und weiter fortführen oder man begibt sich auf die Suche nach neuen, noch nicht entdeckten oder gänzlich vergessenen, aber geschmacklich außergewöhnlichen Kakaobohnen in entlegenste Orte Süd- und Mittelamerikas. Wenn zum Beispiel der französische Schokoladenmeister Bonnat auf Kakaojagd geht und ein Gebiet mit einem aromatisch einzigartigen Kakao findet, fackelt er nicht lange, sondern fragt den Kakaobauern vor Ort in einem Früchte tragenden Dialog, welchen Kakaopreis er für einen menschenwürdigen Lebensunterhalt seiner Familie benötigt.Dass sich besonders in den letzten Jahren viel im fair-orientierten Qualitätsbewusstsein von Kakao getan hat, zeigt uns die Anfang 2012 gegründete Organisation Direct Cacao. Exzellente Bean-to-Bar Schokoladenhersteller haben sich mit Kakaoplantagenbesitzern wie dem Schweden Bertil Akesson, Erzeugern, Händlern und einflussreichen PR-Beratern wie Martin Christy zusammengeschlossen und sich zum Ziel genommen, die Bauern von feinen Edelkakaosorten zu fördern und sie dementsprechend gut zu bezahlen – mindestens den doppelten Fairtradepreis. Direct Cacao liegt nämlich viel daran, dass feinster Edelkakao durch einen nachhaltigen Anbau für die nachkommenden Generationen erhalten bleibt.



Tree-to-Bar: Schokoladenproduktion nach dem Vorbild von Weinbau

Als das bei weitem fairste Modell gilt das Tree-to-Bar-Konzept, bei dem die Schokoladen vor Ort, idealerweise gar von den Kakaobauern selbst hergestellt werden oder zumindest ein maßgeblicher Einfluss ihrerseits klar ersichtlich ist. Im Vergleich zum direkt eingekauften Kakao verbleibt auf diese Weise noch mehr Gewinn bei den Erzeugern. Weil die gesamte Produktion bis zum fertigen Produkt im Anbauland oder gar explizit in einer einzigen Region erfolgt, werden außerdem mehr Arbeitsplätze für die Einheimischen geschaffen und Emanzipationsbestrebungen unterstützt. Im Weinbau galt bekanntermaßen schon immer als unangefochtene Selbstverständlichkeit, dass die Winzer alle Aufgaben übernahmen, von der Pflege der Weinrebe zur Traubenlese und den einzelnen Herstellungsschritten bis zum fertigen Wein. Auf den Kakaoanbau übertragen wäre diese Form in vielerlei Hinsicht eine große Bereicherung für die Schokoladenbranche, wovon mehr Menschen profitieren würden.

Schokolade auf diese Art zu produzieren müsste allerdings nicht mehr die Ausnahme sein, sondern im Idealfall zur Regel werden, was nicht so einfach umzusetzen wäre.Bereits einige Kleinbauernkooperativen haben diesen Schritt in vollem Maße gewagt und setzen dieses Unternehmensmodell auch sehr gut um. Wegbereiter auf diesem Gebiet, die nebenher Edelschokoladen von bemerkenswerter Qualität herstellen, sind das von bolivianischen Kleinbauern gegründete Unternehmen El Ceibo sowie die ecuadorianische Kichwa-Indianer-Kooperative Kallari, die neben ihrer Hauptproduktion in der Hauptstadt Quito zusätzlich von Hand gefertigte Tafeln in einer kleinen Manufaktur inmitten ihres Kakaoanbaugebiets herstellen lässt.Tree-to-Bar heißt aber auch, dass sich ausländische Unternehmer, die meist aus Europa kommen, in Kakaoländer auswandern. Dort kaufen sie dann entweder ihre eigene Kakaoplantage oder beziehen im partnerschaftlichen Verhältnis Kakaobohnen von den ansässigen Bauern und stellen daraus Schokolade in einer eigenen Produktionsstätte unweit der Anbaugebiete her. Ein prominenter Repräsentant und unangefochtener Vorreiter dieser Bewegung ist der Italiener Claudio Corallo, der sich Anfang der Neunziger Jahre auf den westafrikanischen Inseln Sao Tomé und Principe niederließ und seitdem im Einklang mit der Natur und den dort lebenden Einwohnern besonders aromareiche Schokoladenprodukte fertigt. Ein sehr ähnliches Geschäftsmodell betreiben seit 2011 die Franzosen und Gründer der Marke Marou , Samuel Maruta und Vincent Mourou, die nach Südvietnam auswanderten und in ihrer Fabrik Kakao aus dem Mekong-Delta zu Schokolade verarbeiten. Aber auch Einheimische wie Shaheen Cassam Chenai auf Madagaskar von Menakao oder Pacari-Gründer Santiago Peralta in Ecuador arbeiten erfolgreich nach den gleichen Prinzipien. Durch die Nähe zu den Kakaoregionen können sie somit einfacher Einfluss auf die Qualität der Bohnen nehmen.Wir haben nun gesehen, dass eine als fair deklarierte Schokolade nicht unbedingt besonders fair gehandelt sein muss. Fairtrade-Zertifizierungen sind oft nicht das Ausschlaggebende. Vielmehr spielen vertrauenswürdige Absichten der Kakaoabnehmer eine entscheidendere Rolle.

Alleine anhand der Ehrlichkeit und Transparenz der einzelnen Schokoladenhersteller können wir deren Glaubwürdigkeit gut verifizieren. Beides schließt sich aber auch nicht aus, denn auch eine „offiziell“ fair gehandelte Schokolade kann bei entsprechenden Bemühungen tatsächlich „fair“ sein. Generell gilt jedoch, je direkter die Zusammenarbeit zwischen den Kakaobauern und den Chocolatiers, desto mehr profitieren beide Seiten davon. Gleichzeitig erhalten die Konsumenten ein vorzügliches Qualitätsprodukt, das sie ohne schlechtem Gewissen genießen können. Bean-to-Bar per Direkteinkauf und Tree-to-Bar sind daher sicherlich die verlässlichsten Konzepte.


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